HALO 4
Testbericht | Xbox 360

HALO 4 gold_medium

vor 4 Jahren von DN, Aktualisiert: vor 4 Jahren

Die Reaktionen auf die Ankündigung, dass Bungie sich in Zukunft nicht mehr um die Entwicklung von HALO kümmern werde, sorgte in der Vergangenheit für einigen Aufruhr – und für einige besorgte Fans der Serie, welche sich um den Spielspass in Form ihres geliebten Master Chief fürchteten. Das ganze Theater war so ziemlich umsonst, denn eines sei an dieser Stelle vorweggenommen: HALO 4 ist das beste HALO aller Zeiten, und eines der besten Spiele der letzten fünf Jahre.


Wohin führt der Weg der USNC Forward Unto Dawn und was ist mit dem Master Chief?

Wir schreiben das Jahr 2557. Der Master Chief – soviel sei an dieser Stelle verraten – wird an Bord der USNC Forward Unto Dawn von seiner alten Schlachtengefährtin Cortana aus dem kybernetischen Tiefschlaf geholt. Die künstliche Intelligenz mit der Frauengestalt, welche den grossen Recken und Helden der Menschheit seit Anbeginn auf seinen Abenteuern beigestanden hat, ist neben dem Master Chief das einzige «lebende» Wesen an Bord. Der Rest der Menschheit wähnt den Master Chief bereits in den ewigen Jagdgründen. MiA aka. Missing In Action gilt in Master Chief's Fall allgemein als mausetot.

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Die USNC Forward Unto Dawn befindet sich allerdings in einem dermassen entlegenden Winkel eines gottverlassenen Sonnensystems, dass die Bezeichung «tot» nicht gar so weit entfernt von der Realität ist.

Aber des Übels nicht genug. Kaum aufgewacht, macht sich schon wieder eine neue Bedrohung breit. Der Spartan, der Master Chief, von dem wir nur den Vornamen «John» kennen, muss nach 4 Jahren, 7 Monaten und 10 Tagen im Tiefschlaf erneut gegen die Allianz antreten, und gegen noch weitaus gefährlichere Widersacher. Und das, ohne dass Zeit für einen Kaffee zum Frühstück geblieben wäre. Viereinhalb Jahre ohne Kaffee und counting.

Die spannende Rahmenhandlung dreht sich im Kern um John und seine (platonische) Beziehung zu Cortana. Das Schicksal der beiden markanten Videospiel-Persönlichkeiten bietet einen berauschenden Plot mit vielen Wendungen, Überraschungen und Highlights. Die Hauptgeschichte hat einen leicht schwermütigen Touch und vermittelt ein gereiftes Bild der Serie. Dieser Aspekt hat mir besonders gut gefallen. Der kritische Blickwinkel mit dem leisen Fingerzeig dahingehend, dass die Menschheit die eigentliche Bedrohung für das Universum darstellt und nicht umgekehrt, wird gekonnt hier und da angeklungen. Mehr sei an dieser Stelle über die Story nicht verraten. Es wäre natürlich ein Unding, die packende Geschichte von HALO 4 vorwegzunehmen.

Was hat 343 Industries in Sachen Grafik erreicht?

Mein erster Gedanke nach Aufstarten des Spiels war einfach nur: WOW! Dieser Eindruck bestätigte sich im Verlauf der gut portionierten Kampagne immer wieder von Neuem.

Die Präsentation von HALO 4 in Bild und Ton ist schlichtweg atemberaubend. Um nicht zu sagen: fantastisch. Scharfe Texturen, schöne Partikeleffekte, tolle Sprecher, atmosphärischer Soundtrack, detailverliebte Levels – hier stimmt einfach alles, was das HALO / SciFi-Shooterherz begehrt. Ein schönes Detail, wenn auch natürlich nicht neu, aber trotzdem erwähnenswert: Man sieht die eigenen Beine, wenn man an sich hinunterblickt. Schade dass nicht alle Egoshooter diese Perspektive bieten, man kommt sich einfach «plastischer» vor statt einem schwebenden Panzer ähnlich.

Ein clevers Streaming-System erlaubt es 343 Industries, mit HALO 4 in Sachen Optik wortwörtlich den Vogel abzuschiessen. Schaut man etwas genauer hin und sucht nach dem Haar in der Suppe, merkt man bald, dass die gestochen scharfen Texturen sich immer nur jeweils um den Radius in unmittelbarer Nähe beschränken. Aber ich habe nichts gegen tolle technische Tricks, wenn sie zu einem dermassen imposanten Gesamteindruck führen.

Ein weiteres Feature, welche den eingängigen Feel des Spiels effizient unterstützt, sind die exzellenten Motion Capture-Performances in den Zwischensequenzen und die ganzen Gesichtsanimationen. Die Hauptfiguren wirken unglaublich realistisch und eingängig. Vergleichbar mit dem ebenfalls bestechend guten Assassin's Creed 3 hat man hier ständig das Gefühl, dass man es mit realen Wesen zu tun hat, und nicht mit einem aufgepimpten Polygonhaufen. Noch vor zwei, drei Jahren gab es keine vergleichbaren Werke, was die Glaubwürdigkeit digitaler Charakteren angeht, welche von der Game-Engine animiert die Geschichte vorwärtstreiben.

Spielt sich HALO 4 immernoch wie ein richtiges HALO?

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Keine Angst, Leute. HALO 4 ist mehr HALO als je ein HALO vorher. Vor lauter HALOs in diesem Artikel könnte man meinen, es hätte was geschlagen. Ist aber nicht so. Die Controls sind knackig und präzis wie eh und je in der Serie, die neuen Waffen machen Spass.

Die bewährte Mixtur aus Korridorkämpfen, tollen Zwischensequenzen und taktisch reichhaltigen Gefechten in offenen Umgebungen funktioniert wie immer. Dabei gibt es aber ein lachendes und ein weinendes Auge. Zwar spielt sich HALO 4 hervorragend wie man das kennt, fast schon entspannend könnte man das wohlige Action-Movie-Feeling nennen, welches einen beim Durchspiel der Kampagne durchströmt. Andererseits wurden längst fällige Korrekturen leider auch nicht vorgenommen. So ist es immernoch nicht möglich, eine Granate in der Hand zu behalten, um die Zeit bis zur Detonation nach dem Wurf zu verkürzen. Zwar sind die Gegner zu doof, um eine dermassen lange Verzögerung bis zur Explosion für einen Rückwurf des Knallfrosches auszunutzen, aber ein Shooter ohne Grenade-cooking ist einfach schon nicht ganz optimal.

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Eine weitere Träne gibt es zum Thema Destructability zu zerdrücken. Liebe Entwickler: Shooter ohne zerstörbare Umgebung sind einfach sowas von Nullerjahre. Wenn sich das Demontieren auf Panzer, Gefährte und einige Schutzschilde der Aliens beschränkt, einmal abgesehen von den Covenant-Schwebetürmen, dann ist das einfach ein bisschen mager. Wenn ich mir für HALO 5 etwas wünschen dürfte, so wäre das die Möglichkeit zur Abänderung der Spielwelten. Und zwar mit Granaten, Panzergeschossen oder Munition. Und eben auch abseits der cineastischen Verschrottung von Megakreuzern durch die Geschehnisse der Story oder ohne die Schmiede zur Gestaltung von eigenen Levels.

Was gibt es in HALO 4 sonst noch zu tun, ausser die Menschheit zu retten?

Neben der Forge aka. Schmiede, wo man eigenen Levels gestalten darf (kennen wir bereits) gibt es noch ein zusätzliches Grossprogramm zur HALO-technischen Unterhaltung der Menschheit. Da wäre zum Einen die Infinity mit den Spartan Ops, wo man alleine, bis zu viert vor dem eigenen Screen oder Online mit bis zu drei Freunden ein Set von eigens dafür gestalteten Levels durchspielen darf, Zwischensequenzen inklusive. Wer die Einzelspielerkampagne durch hat, findet ihr neues Futter für Future-Ballereien. Schade fand ich persönlich, dass für das Spielen der Spartan Ops eine Live-Gold-Mitgliedschaft inklusive Log In nötig ist. Wer also gerade keinen funktionierenden Internetanschluss zuhause hat und einfach mit drei Freunden mal kurz Splitscreen spielen möchte, läuft in eine Mauer. Microsoft, das ist nicht nett.

Der Multiplayermodus ist gewohnt suchtgefährdend, was gemessen an den Erfolgen und Dauerbrenner-Aspekten der Mehrspieler-Arenen vergangener HALO-Titel natürlich nicht erstaunt. Wer eine zügige und geschmackvolle Alternative zu Call Of Duty sucht, ist hier sehr gut aufgehoben. Die unterschiedlichen Spielmodi und die äusserst raffiniert skalierten Aufstiegsmöglichkeiten lassen einen so schnell nicht mehr los.

Fazit

HALO 4 ist edle Videospiel-Unterhaltung in Reinstform. Was 343 Industries hier abliefert, ist ganz grosses Gamer-Kino. Wer nach dem Ende der Bungie-Ära befürchtet hat, dass die Serie an Qualität abnehmen würde, wird hier eindrücklich eines Besseren belehrt. Die Grafik dürfte sich unter die Top 5 der aktuellen Konsolengeneration einreihen. Meines Erachtens führen Uncharted 2 - Among Thieves und Uncharte 3 - Drake's Deception diese Liste immer noch an, aber HALO 4 kommt da schon sehr nahe an die obersten Podestplätze heran. Dicht gefolgt von Alan Wake.

Der Master Chief ist auch etwas erwachsener geworden. Die Geschichte wirkt reifer und einen Hauch schwermütiger. Das tut der Serie gut, und war nach dem eher mässigen Aufguss mit dem Beinamen «Reach» auch nötig. Es ist offensichtlich, dass sich die Macher von HALO 4 intensiv mit anderen SciFi-Klassikern wie Mass Effect oder Dead Space auseinandergesetzt hat.

Als HALO-Anhänger erster Stunde bin ich geneigt zu sagen: 343 erfindet den Master Chief im sinnvollen Rahmen neu, konserviert bewährte Eigenschaften und bringt uns das wohl beste HALO aller Zeiten in die gute Stube.


judgementbox
HALO 4
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Positiv

Unterhaltsame neue Waffen (wenn auch eher traditionell gehalten), Spannende Story, abwechslungsreiche Settings, fantastische Grafik, tolle Animationen, eindrücklicher Soundtrack und Stimmen

Negativ

Missstand mit Waffen zu Beginn jeder Mission wurde nicht behoben - Master Chief verliert alle gesammelten Waffen und startet jeweils mit Sturmgewehr und Magnum - das nervt, KI der Gegener und Mitstreiter nicht optimal, Waffen wenig innovativ, kaum richtige Bossfights,

Alleine spielen: Sehr gut!
Mit Freunden auf dem Sofa spielen: Sehr gut!
Mit Freunden im Internet spielen: Sehr gut!
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